Der Abstieg des Britischen Pfund Sterlings

Seit geraumer Zeit ist eine immer stärker werdende Abwertung des Britischen Pfund Sterlings auf den Forex-Märkten zu beobachten. Der dramatische Wertverlust bringt nun auch die britische Regierung in Bedrängung.

So wenig wie in den letzten Wochen haben die Briten für ihre Währung bislang noch nie erhalten. In den vergangenen Tagen verlor die britische Währung auf den Forex-Märkten noch einmal drastisch an Wert. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Pfund-Schwäche mit 0,9557 Pence für einen Euro. Seit Ende Oktober 2008 musste das Britische Pfund Sterling einen Wertverlust von knapp 17 Prozent über sich ergehen lassen. Die Parität zum Euro ist zum greifen nah.

Der durch die Finanzkrise und sein weltweit beachtetes Krisenmanagement jüngst erstarkte Gordon Brown und seine Regierungsmannschaft geraten nun aber immer mehr in Bedrängnis. Der Premierminister vermied bislang eine klare Äußerung zum dramatischen Wertverfall der britischen Landeswährung. Stattdessen wurde den verunsicherten Bürgern erklärt, dass ein schwaches Pfund gut für den Export der britischen Wirtschaft sei.

Allerdings ist die Verunsicherung in der Bevölkerung groß. Gerade von ihrem Premierminister wünschen sie sich eine detaillierte Stellungnahme. Als ehemaliger Schatzkanzler und damit Chef des britischen Finanzministeriums, wehrte sich Gordon Brown heftig gegen einen Beitritt zur Euro-Zone, wie es der damalige Premierminister Tony Blair plante. Doch Brown zeigte sich als harter Euro-Gegner. Ihm war das Britische Pfund wichtiger. Dabei hatte er noch zu Oppositionszeiten getönt, dass ein schwaches Pfund Zeichen für eine schwache Wirtschaft und dies wiederum Zeichen für eine schwache Regierung sei. Doch nun holen ihn die Geister ein, die er rief und sieht sich gegenwärtig heftiger Kritik ausgesetzt. Die Opposition erinnerte den Premierminister in einer Parlamentsdebatte schmerzlich an seine Aussage von vor über einem Jahrzehnt.

Die Labour-Regierung steht wie ohnmächtig vor den gegenwärtigen Problemen. Diese Schwäche nutzte die Opposition aus und besetzte das Thema für sich. Das schwache Pfund wurde von der konservativen Opposition zum Symbol für die gescheiterte Regierungspolitik Gordon Browns stilisiert. Als eine Ursache der Abwertung der britischen Landeswährung wird die schuldenfinanzierte Strategie gesehen, die die Regierung zur Bekämpfung der Finanzkrise in Großbritannien gewählt hat. Von der Regierungsseite wird unterdessen der britische Notenbankgouverneur, Charles Bean, für die jüngste Abwertung verantwortlich gemacht. Im Zuge der amerikanischen und japanischen Leitzinssenkung kündigte auch die Bank of England an, dass man sich eine Senkung des Leitzinsniveaus auf null Prozent vorstellen könnte. Zur Zeit liegt das britische Leitzinsniveau bei 2,00 Prozent. Analysten deuteten nach der Bekanntgabe der Konjunkturdaten der vergangenen Tage und Wochen an, dass Großbritannien in eine tiefere Rezession stürzen könnte, als die gesamte Eurozone.

Für die meisten Briten ist diese Erkenntnis ein Schock. Beim Britischen Pfund geht es um mehr als nur um Ökonomie. Die Schwäche des Pfunds trifft den Stolz der gesamten Nation. Die jahrhundertealte Währung ist mehr als nur bloßes Zahlungsmittel. Sie ist Symbol für die einstige Macht und den Stolz der Briten. Nicht umsonst prangt auf jeder Banknote das Portrait der Königin. In seiner Geschichte war das Pfund Sterling stets Symbol für die Unabhängigkeit und die Stärke Großbritanniens. In jüngster Zeit erweiterte sich diese Symbolik auch gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung: Auf der einen Seite das verlangsamte und verzögerte Wachstum des Euroraums, auf der anderen Seite die rasante Entwicklung der britischen Wirtschaft.

Doch nach den dramatischen Abwertungen der britischen Währung zerläuft das Bild langsam. Schon wurden die Erinnerungen an den Beginn der 90er Jahre wieder wach. Am „Schwarzen Mittwoch“ wurde Großbritannien gezwungen das sogenannte Europäische Wechselkurssystem zu verlassen. Der damalige Finanzminister Norman Lamont hatte eine Abwertung des Pfunds vehement verweigert unter anderem auch aus Prestigegründen.

Gegenwärtig scheint sich aber ein Paradigmenwechsel abzuzeichnen. Die ehemaligen Euro-Skeptiker sind beim Blick auf Eurozone verstummt. Die europäische Gemeinschaftswährung hält sicher besser als erwartet und bringt nun im Verlauf der globalen Krise ihre Vorteile für die Teilnehmerländer voll zur Geltung. Schon mehren sich auch in Großbritannien die Stimmen für einen Beitritt zur Eurozone. Ökonomen und Politiker heben die Vorteile der Gemeinschaftswährung auf mittel- und langfristige Sicht für die britische Wirtschaft hervor. Auch in Brüssel ist man davon überzeugt, dass Großbritannien noch nie so dicht vor dem Beitritt zur Währungsunion stand als heute. In Regierungskreisen hält man sich nach wie vor bedeckt. Langfristig wird sich die Frage nach dem Beitritt zum Euroraum nicht mehr von der politischen Agenda verschieben lassen. Aber bis dahin versucht die Regierung an ihrer traditionellen und mit Stolz erfüllten Währung festzuhalten. Wie lange dies noch so sein wird, ist fraglich, angesichts der prognostizierten Verschärfung der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise für das kommende Jahr 2009.

 

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