Der Euro wird zehn Jahre alt

Am 1. Januar 1999 stellten in Europa alle Bankhäuser ihre Bücher und Konten auf die europäische Gemeinschaftswährung um. Seither sind die Wechselkurse gegenüber den Währungen der Mitgliedsländer festgeschrieben. Am 1. Januar 2009 wird der Euro zehn Jahre alt. Seit seiner Einführung musste die Währung schon so einige Krisen und Abschwünge überstehen. Doch seine Stärke ist bisher ungebrochen.

Dabei hatte die europäische Gemeinschaftswährung wahrlich keinen leichten Start. Von Anfang an bezweifelten viele Kritiker, dass der Euro auch nur den ersten Abschwung überleben würde. Ihm wurde unterstellt, dass bei einer schlechten Wirtschaftsentwicklung die meisten Länder aus dem Währungsverband ausscheren würden. Experten sagten den Zusammenbruch der Eurozone nach fünf bis fünfzehn Jahren voraus.

Bis heute musste die europäische Gemeinschaftswährung so manche Abschwünge und Krisen bewältigen. Und heute, in Zeiten in denen die globale Wirtschaft auf eine Rezession zusteuert, die noch größer sein wird, als die große Depression Ende der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, stellt sich die europäische Gemeinschaftswährung als größter Vorteil für die Mitgliedsländer heraus. Daher sind sich heute die Experten einig: Der Euro hat für Stabilität und Ruhe im europäischen Wirtschaftsraum gesorgt. Der Euro hat sich auch in der Krise bewährt.

Derzeit müssen etwa 1,40 Dollar für den Euro bezahlt werden. Und mit 0,94 Pence hat der Euro fast die Parität zum Britischen Pfund Sterling seit Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung erreicht. Auch im Euro-Skeptiker-Land Großbritannien werden die Stimmen nach einem Beitritt zum Euroraum lauter. Immer mehr Analysten, Politiker und Ökonomen denken laut über einen Paradigmenwechsel nach.

Mit der heutigen Stärke des Euros hatte bei dessen Einführung kaum jemand gerechnet. Südeuropäische Länder wie Italien und Spanien hatten sich in der Vergangenheit daran gewöhnt, dass vor allem in schlechten Zeiten der Kurs der guten alten D-Mark stieg. Im Gegenzug verloren italienische Lira und spanische Pesos an Wert. Doch die betroffenen Länder konnten durch die Abwertung ihrer Währungen ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit im Ausland deutlich steigern. Das Nachsehen hatte Deutschland, dessen stark exportorientierte Wirtschaft unter hohen Wechselkursen zu leiden hatte.

Abhilfe schaffte die europäische Gemeinschaftswährung. Denn nun waren die Wechselkurse für alle Euro-Teilnehmer gleich. Ungleichgewichte, wie sie in der Vergangenheit oft vorkamen, konnten langfristig abgebaut werden. Starke inflationäre Tendenzen durch das Anwerfen der Notenbankpresse konnte mit Hilfe der gemeinsame Währung effektiv verhindert werden.

Auch in Zeiten der schweren Krise, wie sie sich gegenwärtig abzeichnet, denkt keines der Euro-Teilnehmerländer auch nur darüber nach, ob die Krise ohne die Gemeinschaftswährung besser zu bewältigen wäre. Sorgenvoll richtet sich der Blick nach Dänemark oder Ungarn, deren Regierung verzweifelt versuchen, ihre Landeswährung zu stützen. Das Königreich Dänemark musste sogar mitten in der Krise die Leitzinsen anheben, damit die dänische Krone nicht ins bodenlose stürzte. Während alle großen und mittleren Industrienationen weltweit ihre Leitzinsen senkten, mussten die Dänen das Niveau auf 3,75 Prozent erhöhen. Vor dem Hintergrund der globalen Rezession liegt das dänische Leitzinsniveau viel höher, als es für die Wirtschaft derzeit verträglich ist. Viele Investoren sind bereits verunsichert und ziehen ihr Kapital aus den kleinen eigenständigen europäischen Währungen ab und legen es lieber im Euro an. Neben dem Dollar und dem Japanischen Yen hat sich der Euro in den vergangenen zehn Jahren zu einem weiteren sicheren Hafen für die Investoren entwickelt.

Euro-Skeptiker sagten vor Einführung der Gemeinschaftswährung voraus, dass sich die einzelnen Länder bei einer schlechten wirtschaftlichen Entwicklung schnell aus der Währungsunion verabschieden würden. Anschließend würden sie die nationalen Bankensysteme und Volkswirtschaften mit Finanzspritzen der eigenen Währung versorgen, um sie zu stabilisieren. Doch bislang ist genau das Gegenteil eingetreten.

Die Europäische Zentralbank tat viel dafür, dass es nie soweit gekommen ist. Als im letzten Jahr die Banken aufhörten sich gegenseitig Geld zu leihen und damit eine globale Bankenkrise auslösten, stellte die Europäische Zentralbank liquide Mittel in fast unbegrenzter Höhe zu Verfügung. In kleinen europäischen Ländern, die der europäischen Währungsunion nicht angehören, sind die staatlichen Nationalbanken dazu kaum in der Lage. Sie können nicht längerfristig als Kreditgeber einspringen. Ihre Rolle im globalen Währungsgefüge ist nur noch von untergeordneter Natur. Die meisten Bankverbindlichkeiten lauten ohnehin nur noch auf Euro.

In Zeiten eines funktionierenden Geldmarktes stellt dieser Zustand kein Problem für die Volkswirtschaften dar. Die Zentralbanken können sich jederzeit mit der europäischen Gemeinschaftswährung eindecken und entsprechende Devisenreserven anlegen. Jedoch während einer Finanzkrise, wie wir sie gegenwärtig erleben, haben sich die  Marktbedingungen und politische Auflagen drastisch verändert – zu Ungunsten der Nicht-Euro-Teilnehmerländer. Vor allem in Zeiten der Krise wird manch einem Politiker und Marktteilnehmer erst bewusst, wie nützlich der Stabilitätspakt der Euro-Teilnehmerländer ist und welch großen Vorteil die Länder der Eurozone von ihrer Gemeinschaftswährung haben.

Am 1. Januar 2009 wird der Euro zehn Jahre alt – und steht unmittelbar vor seiner größten Herausforderung. Um die Stabilität der europäischen Gemeinschaftswährung zu garantieren, haben die Teilnehmerländer verbindliche Stabilitätskriterien vereinbart. Einer der wichtigsten Punkte ist, dass die Neuverschuldung das Haushaltsdefizit nicht mehr als drei Prozent betragen darf. Die globale Wirtschaft steuert jedoch auf eine der größten Wirtschaftskrisen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu. Angesichts der immer neuen Überlegungen zu Konjunktur- und Rettungspaketen, steigt auch die Neuverschuldung in den Euro-Teilnehmerländern dramatisch an. Um die Stabilitätskriterien scheint sich kaum mehr einer der wichtigen Entscheider in Politik und Wirtschaft Sorgen zu machen.

Laut dem EG-Vertrag ist es der Europäischen Zentralbank untersagt, Ländern noch Kredit zu gewähren, die zahlungsunfähig geworden sind. Deshalb bleibt den Zentralbanker nichts anderes übrig, als zumindest kurzfristig über diese gefährliche Entwicklung hinweg zusehen. Da mag es vielleicht ein wenig beruhigen, dass die Regierungs- und Staatschef nicht mehr auf „altbewährte“ Mittel zurückgreifen können. Die Kompetenz über die Notenpresse haben sie nämlich mit der Teilnahme an der Währungsunion an die Europäische Zentralbank abgetreten.

Laut Ökonomen und Wirtschaftsexperten steht dem Euro die bisher härteste Bewährungsprobe noch bevor. Zur Zeit sind die meisten Unternehmen noch ganz gut gegenüber der Krise aufgestellt, mit Ausnahme der Bankenbranche, der Automobilindustrie und deren direkte Zuliefererbetriebe. Doch der große wirtschaftliche Einbruch wird erst im kommenden Jahr vorhergesagt. Für die Eurozone wird ein wirtschaftlicher Rückgang von zwei bis drei Prozent prognostiziert. Daher vermuten Analysten, dass der Aufstieg des Euros nicht mehr lange anhalten wird. Marktbeobachter halten den Euro immer noch für stark überbewertet, obwohl er nach seinem Höhenflug auf über 1,47 Dollar wieder unter die 1,40 Dollar Marke gefallen ist. Einige Experten sehen aufgrund der großen konjunkturellen Enttäuschungen in den USA, dass das zukünftige Enttäuschungspotenzial für die Eurozone im kommenden Jahr viel höher ist, als in den Vereinigten Staaten. Von daher gehen viele Analysten davon aus, dass die Europäische Zentralbank im ersten Quartal des kommenden Jahres eine Leitzinssenkung unter 2,00 Prozent vornehmen könnte. Damit würde sie den Vorgaben aus Amerika und Japan folgen, deren Leitzinsniveau gegen Null tendiert. Profitieren könnte davon vor allem die amerikanische Währung, die durch die bislang immer wieder enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten bereits arg gebeutelt wurde.

Insofern wird der 1. Januar 2009 nicht nur ein fröhlicher Geburtstag werden, sondern auch der Beginn der größten Herausforderung, die der Euro bisher bewältigen musste.

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