Die Briten halten ihr Pfund für aussichtslos

Insgesamt sind die Briten hinsichtlich ihrer Währung im Moment recht nervös. Der Hintergrund ist die Schieflage des Pfund, denn das zeigt sich aktuell am Devisenmarkt so schwach wie selten bisher. Gegen den Euro musste das Pfund in den letzten beiden Jahren massiv abwerten. Die Kursveränderung zwischen Januar 2007 bis Mitte Dezember 2008 brachte eine Kurssteigerung von 65,63 Pence für den Euro bis nunmehr 89,81 Pence – und das ist dann ein Plus, das bei 37 Prozent liegt.

Gegen die anderen Währungen sieht das Pfund noch blasser aus. Beim Yen waren noch größere Kursverluste zu verzeichnen. Und auch der zur Zeit massiv schwächelnde Dollar konnte dem Pfund noch die Stirn bieten und so fiel das Pfund gegen den US-Dollar stark zurück. Im November 2007 brauchte man noch 2,11 Dollar um ein Pfund erwerben zu können. Inzwischen müssen für das Pfund lediglich noch 1,4891 Dollar bezahlt werden.

Die Briten haben im Moment somit ein wichtiges Thema – und das ist der Wechselkurs. So stellt sich inzwischen schon die Frage, ob das Pfund überhaupt in manchen Zeiten noch einen Euro wert ist oder bereits darunter angelangt ist. Wer heute das Pfund in der Wechselstube tauscht, bekommt nach Spesenabzug für 60 Pfund 57 Euro. Der Wechselkurs liegt nämlich bei 1,0185 Euro pro Pfund. Erst im letzten Jahr hätte man für die 60 Pfund noch 80 Euro erhalten. Da heißt es für die Briten kürzer zu treten, wenn sie die Eurozone bereisen.

So zweifeln schon einige Briten inzwischen die Treue zum Pfund an. Traditionen hin – Wechselkurse her. Letztlich ist es doch das Geld in der Hand, was wichtiger ist als die historische Währung – eine inzwischen deutlich weiter verbreitete Meinung bei den Briten als noch vor Jahren.

Briten bauen vor und so wechseln sie bereits jetzt ihre Pfund in Euro ein, auch wenn die Reise in die Eurozone erst im Verlauf des nächsten Jahres geplant ist. Das Misstrauen herrscht einfach vor, dass das Pfund noch weiter fällt. Was da spannende Entwicklungen am Devisenmarkt sind, bekommt der Verbraucher knallhart in weniger Münzen in der Tasche zu spüren, wenn denn das Pfund gegen den Euro getauscht werden muss, um eine Reise anzutreten.

Überraschend ist die Schwäche der britischen Währung aber nicht. Die Finanzkrise ist schuld – wer sonst? Und die hat den Briten die heftige Rezession beschert – erstmalig seit 17 Jahren. Die Bank of England senkte innerhalb des laufenden Jahres den Leitzinssatz von 5,5 auf nunmehr 2 Prozent. Und genau diese Zinsentscheidung soll damit der Auslöser für die schnell verlaufende Abwertung des britischen Pfundes sein, erklären Währungsstrategen. Aber eine weitere Zinssenkung der britischen Notenbank könnte trotzdem wahrscheinlich werden.

Die Wechselstuben haben breitere Spannen zwischen An- und Verkauf von Devisen, als dies im professionellen Devisenhandel üblich ist und in diesen Stuben liegt der Wechselkurs dann vor Berechnung der Spesen sehr hart an seiner Parität zum Euro. Das britische Finanzministerium kommentierte den Verlauf des britischen Pfund dahingehen, dass hier nicht der Wechselkurs, sondern die Inflation das Hauptinteresse erhalte.

Die Briten erkennen den Kursverfall ihrer Währung bei Reisen in den Euroraum, wenn alle Aktivitäten und Einkäufe plötzlich teurer sind. Wir Verbraucher aus dem Euroraum sehen den umgekehrten Verlauf – nicht zur Begeisterung der Briten.

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